Zutrittskontrolle im Wandel

Zutrittskontrolle mechanisch elektronisch GU-Gruppe

Bei der großen Bandbreite von Zutrittskontroll-Systemen kommt es darauf an, den Überblick zu behalten. BKS ist eines der führenden Unternehmen für Schließtechnologie und Sicherheit und damit Spezialist für den geregelten Zutritt ins Gebäude. Wenn es ums Thema Zutrittskontrolle geht, gibt es wichtige Entscheidungen zu treffen: Geht es um eine oder um mehrere Türen? Erfolgt der Zutritt mechanisch per Schlüssel oder elektronisch? Wie lässt sich die Zutrittsberechtigung effizient kontrollieren. Interview mit dem BKS-Produktmanager.

Was ist ein Zutrittskontroll-System?

Ein gutes Zutrittskontroll-System arbeitet im Grunde wie ein Portier, der eine Eintrittskarte prüft. Es sorgt für Sicherheit und Komfort: indem es unberechtigten Personen den Zutritt verweigert und berechtigte Personen freundlich empfängt. Für ein ausgewogenes Verhältnis aus komfortablen Zutritt ins Gebäude, hoher Gebäudesicherheit und einfacher Verwaltung steht immer ein Gesamtsystem, das individuell auf die örtlichen Anforderungen angepasst werden kann.

Sie meinen das Zusammenspiel der elektronischen Komponenten?

Nicht nur diese! Es wird im Zusammenhang mit Zutrittskontrolle, sehr häufig über Datensicherheit und Verschlüsselung gesprochen. Welche aktuellen Verschlüsselungsverfahren werden eingesetzt? Symmetrische oder asymmetrische? Wird Challenge Response verwendet? Wie lang sind die Schlüssel? Genauso wichtig für die Gesamtlösung sind aber auch die mechatronischen und elektronischen Produkte an einer Tür – die Verschlusselemente!

Haben Sie ein Beispiel?

Ein hoch verschlüsseltes Zutrittsmedium kombiniert mit entsprechenden Lesern macht eine Zutrittskontrolllösung allein nicht sicher. Die Betrachtung einer Zutrittskontrolle hört heute leider noch oft beim Relais, das ein Verschlusselement ansteuert, auf – also vor der Tür, die zur Sicherheit entscheidend beiträgt. Die zu sichernde Tür ist z.B. häufig mit einem einfachen Einsteckschloss und einem einfachen Türöffner ausgestattet. Ein elektrischer Türöffner bietet jedoch keine Sicherheit. Es muss dann die Frage erlaubt sein, ob Zutrittskontrolle ohne ein Mindestmaß an Sicherheit Sinn macht?

Gibt es sichere Verschlusselemente für Zutrittskontrollen?

Auf jeden Fall: Motorschlösser oder elektrisch kuppelbare Schlösser, als Einsteckschlösser oder Mehrpunktverriegelungen, für einflügelige oder zweiflügelige Türen. Idealerweise mechanisch selbstverriegelnd und so immer sicher verschlossen.

Und zur Nachrüstung von bestehenden Türen?

Neben kabelgebundenen gibt es auch kabellose Lösungen per Funk. Ein mechanisches DIN-Einsteckschloss wird in solchen Fällen z. B. einfach durch ein elektrisch kuppelbares batteriebetriebenes Funk-Schloss ersetzt. Die Freigabe der Tür erfolgt dann per verschlüsseltem Funk über einen potentialfreien Kontakt an einem Wandmodul in der Nähe der Tür. Solche Lösungen sind auch für Brandschutztüren zugelassen. Die Verschlusselemente können in jede Zutrittskontrolle integriert werden – nicht nur von GU-BKS-Produkten. Hier ergeben sich neue Geschäftsmodelle. So integriert der bekannte RFID-Leser-Hersteller PHG in seine neuste Lesergeneration den BKS-Funk zur Ansteuerung aller Funk-Schlösser und Zylinder von BKS. Eine aufwendige Verkabelung der Tür kann in solchen Fällen entfallen, da der Leser neben der Tür Freigaben funken kann.

Mit Zutrittsmedium meinten Sie vorhin eine Zutrittskarte im Scheckkartenformat?

Das ist eine elektronische Möglichkeit, aber bei weitem nicht die einzige. Neben solchen passiven Medien gibt es auch aktive Medien (mit Batterie) oder biometrische Merkmale, die eine Person selbst mitbringt, z.B. einen Fingerabdruck. Es gibt jedoch ein weiteres sehr weit verbreitetes Medium, mit dem lange vor den elektronischen Systemen Zutrittskontrolllösungen realisiert wurden und das bis heute eine wichtige Absicherung für das Eigenheim oder das Objekt gewährleistet: Der mechanische Schlüssel.

Ist eine Zutrittskontrolle oder Zutrittsregelung nicht immer elektronisch?

Der vorhin genannte Portier oder eine einfache Klingel einer Gegensprechanlage sind aus meiner Sicht ebenfalls Zutrittskontrollen /-regelungen – erst recht aber die mechanischen Schließanlagen bestehend aus Zylinder und Schlüsseln mit unterschiedlichen Zutrittsrechten. Mit der Ansicht stehe ich nicht alleine da: In den IT-Grundschutzkatalogen des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) im Kapitel Maßnahmenkataloge Organisation M 2.17 Zutrittsregelung und -kontrolle sind die mechanischen Schließsysteme explizit als Lösung mit aufgeführt.

Mechanische oder elektronische Zutrittskontrolle, was passt besser?

Bei der Frage ist die Zielgruppe sehr entscheidend. Wir unterscheiden im Wesentlichen drei Bereiche in der Kommunikation zum Kunden. Zum einen sind die Verschlusselemente zu nennen, die ich vorhin beschrieb. Der zweite Bereich umfasst die Einzeltürlösungen. Hier wird jede Tür nur für sich selbst betrachtet – ohne Verbindung zu weiteren Türen. Klassischerweise finden sich solche Türen zum Beispiel in Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäusern. Neben den mechanischen Zylindern werden verstärkt elektronische Systeme wie z. B. Fingerprintlösungen mit motorischen Mehrfachverriegelungen nachgefragt. Sie erhöhen erheblich den Komfort, da man das Medium immer bei sich trägt und sind für die Zielgruppe so entwickelt, dass auch Laien Berechtigungen erteilen und entziehen können – und zwar ohne Software oder Programmiergerät.

Sind Fingerprintlösungen für die Haustür denn sicher genug?

Bei der Frage der Sicherheit sollte immer das Gesamtsystem betrachtet werden. Wie stark ist die Eingangstür zu sichern, wenn meistens über die weniger gesicherten Fenster oder Nebeneingangstüren eingebrochen wird? Wie sicher ist ein Fingerprintsystem gegenüber einem einfachen 5 stiftigen mechanischem Zylinder, der in vielen Eingangstüren verbaut und im Baumarkt für 15 Euro zu erwerben ist? Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Der VdS hat übrigens eine unserer Fingerprintlösungen „GU-SECURY Automatic access controlled“ bestehend aus einem IDENCOM-Fingerprintleser, motorischer Mehrpunktverriegelung und intelligentem Kabelübergang als Schließsystem Klasse B zertifiziert – als einzige VdS-zertifizierte Lösung am Markt.

Was halten Sie von Lösungen mit dem Smartphone für die Haustür?

Mit den Technologien wie NFC (NearFieldCommunication) oder BLE (BluetoothLowEnergie) sind gerade für den Heimbereich viele Lösungen denkbar. Meiner Ansicht nach geht es dabei insbesondere einfache Bedienung ohne zu große Kompromisse bezüglich der / des Sicherheit /-sempfindens eingehen zu müssen. Wenn eine App zum Öffnen einer Haustür zunächst mit Passworteingabe gestartet werden muss, um dann einen Button „Öffnen“ zu drücken, ist das umständlicher als die Öffnung mit mechanischem Schlüssel. Wenn eine Tür nur durch Annäherung mittels Bluetooth geöffnet werden kann, dann klingt das zunächst vielversprechend. Allerdings öffnet sie sich auch, wenn man sich bereits im Haus befindet und sich in Reichweite der Tür befindet. Ganz abgesehen von der Frage, wie sicher meine Zutrittsdaten im Smartphone oder in einer Cloud gespeichert werden können. In jedem Fall sind in diesem Bereich neue technische Lösungen und Geschäftsmodelle zu erwarten.

Elektronisches Zutrittskontrollsystem verkabelt oder batteriebetrieben?

Der dritte Bereich der Zutrittskontrollsysteme von GU BKS „Mehrtürsysteme“ schließt genau diese beiden Systeme ein. Lange wurde unter einem elektronischen Zutrittskontrollsystem eine verkabelte Lösung verstanden. Dabei waren ein Verschlusselement und ein Wandleser neben der Tür mit einer zentralen Stelle per Bus oder Netzwerkkabel dauerhaft verbunden. Daneben entwickelte sich in den letzten Jahren ein rasant zunehmender Markt an Systemen, die aus batteriebetriebenen elektronischen Zylindern bestehen. Ausgehend von den mechanischen Zylindern zeichnen sich die Elektronik-Zylinder durch Ihre besonders einfache schnelle Montage ohne Verkabelungsaufwand aus. So werden die Elektronik-Zylinder immer häufiger auch in verkabelte Zutrittssysteme integriert. Im Elektronikzylinder selbst prallen jetzt zwei Welten auf einander: Die der Sicherheitsfachgeschäfte und die der Elektroerrichter. Das stellt insbesondere bei der Programmiersoftware hohe Anforderungen an die Benutzeroberfläche. 

Worauf sollte bei Systemen mit batteriebetriebenen Elektronikzylindern besonders geachtet werden?

Elektronikzylindersysteme haben heute bei virtueller Vernetzung einen annähernd gleichen Funktionsumfang wie verkabelte Lösungen. Einer der wichtigsten Punkte steckt bereits in Ihrer Frage: Die Batterielebensdauer eines Zylinders. Elektronische Schließsysteme mit mehreren 100 oder 1000 Elektronikzylindern sind keine Seltenheit mehr. Gerade bei den größeren Anlagen sind die Wartungskosten entscheidend an die Batterielebensdauer gekoppelt. Aktive und passive Systeme unterscheiden sich gerade in diesem Punkt erheblich. Passive RFID-Systeme müssen zyklisch nach Medien in der Nähe suchen, was die Batterielebensdauer in einem Elektronikzylinder stark reduziert – auch ohne Betätigung durch einen Transponder. Aktive Systeme (Batterie in Zylinder und Transponder) bieten diesbezüglich einen eindeutigen Vorteil: Standbyzeiten bis zu 10 Jahren sind möglich. Bei RFID-basierten Systemen sind es eher 1,5-2 Jahre – wohlgemerkt auch ohne dass die Zylinder genutzt wurden. Bei der maximalen Anzahl der Schließzyklen sieht es ähnlich aus. Zylinder in aktiven Systemen erlauben bis zu 350.000 Schließungen (unser mechatronischer janus SE-Zylinder sogar bis zu 600.000) pro Batterie. Bei RFID-Zylindern werden bis zu 50.000 Schließungen angegeben. Diese werden, wenn überhaupt, jedoch nur erreicht, wenn zeitgemäße Verschlüsselungen (z.B. AES128) deaktiviert und statt virtueller Vernetzung eine Offline-Programmierung der Zylinder verwendet wird. Aktivierte Verschlüsselung von Mifare Desfire EV1 oder Legic Advant und zusätzlichem Lesen / Schreiben von Daten vom / auf Transponder bei virtueller Vernetzung kostet bei RFID-Systemen sehr viel Energie der Batterie im Zylinder. So bleiben von den 50.000 Schließungen in einigen Fällen weniger als 50 % übrig.

Kontaktlose Kommunikation sollte bei Elektronikzylindern heute genauso selbstverständlich sein wie die Verwendung von Standardbatterien. Wesentliche Vorteile von elektronischen Zylindern, wie zeitabhängige Zutritte und Ereignisprotokollierung sollten grundsätzlich möglich sein. Das funktioniert nicht, wenn weder Zylinder noch Transponder eine Batterie haben oder diese Funktionen über Lizenzen je Zylinder erst freigeschaltet werden müssen.

Welche Rolle spielen die mechanischen Zylinder im Zeitalter der elektronischen Zylinder noch?

Eine sehr wesentliche. Besonders wirtschaftliche Schließsysteme bestehen immer aus einem Teil an mechanischen und einem Teil elektronischen Zylindern und Medien (Schlüsseln / Transpondern). Diese sollten selbstverständlich gemeinsam innerhalb einer Software programmiert und verwaltet werden können. Nur so sind mechanische und elektronische Berechtigungen für eine Anlage zu organisieren. Innerhalb der Bestellsysteme darf es genauso wenig eine Trennung der Systeme geben.

Seit wann ist BKS mit eigenen Produkten für Zutrittskontrolllösungen im Markt vertreten?

Die GU-Gruppe mit BKS als eine ihrer Traditionsmarken steht seit mehr als 100 Jahren für Produkte der Gebäudesicherheit. Bereits 1938 stellte BKS den Rundzylinder als weltweit erstes modulares Zylinder-Schloss-System vor. 1989 wurde mit dem ESI-Zylinder der erste Elektronikzylinder von BKS präsentiert – vor über 25 Jahren! 2012 integrierte BKS mit dem SE-Schloss ein komplettes Zutrittskontrollsystem inkl. Steuerung, Leser und Batterie in einem selbstverriegelnden DIN-Einsteck-Schloss, das sich im Wettbewerb zu Beschlagslösungen mehr als bewährt hat. So schreibt es dem Kunden weder das Design des Beschlages vor, noch befinden sich sicherheitsrelevante Teile wie Steuerelektronik oder kuppelnder Aktor außen an der Tür, sondern geschützt im Türblatt. Die GU-Gruppe versteht sich als Gesamtanbieter im Bereich Zutrittskontrolle. Das schließt mechanische Schließsysteme und elektronische Schließsysteme genauso ein wie eine Vielzahl an sicheren Verschluss- und Vereinzelungssystemen.

Intelligente Lösungen für die Zutrittskontrolle